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Jede Aktivität zählt: Tipps für Sport mit Prostatakrebs

Aktiv zu sein hat viele Vorteile für Männer mit Prostatakrebs. Und das unabhängig davon, wo Sie sich auf Ihrem Weg mit dem Krebs gerade befinden. Regelmässige Bewegung kann dazu beitragen, das Fortschreiten einer lokalisierten Krebserkrankung zu verlangsamen,1 das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern,2 Müdigkeit zu lindern3 sowie die körperliche, kognitive4 und geistige Gesundheit zu verbessern.5

Sind Sie neugierig geworden? In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die wissenschaftlich begründeten Bewegungsrichtlinien für Männer mit Prostatakrebs und gehen der Frage nach, wie viel körperliche Aktivität für Sie geeignet ist. Ausserdem haben wir für Sie einfache Empfehlungen zusammengestellt, wie Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag integrieren können. Zum Schluss finden Sie Tipps, wie Sie motiviert bleiben und eine Routine entwickeln können, die Sie auch langfristig beibehalten.

Wie viel körperliche Aktivität sollte ich bei Prostatakrebs anstreben?

Jeder Mensch ist anders. Daher wissen Sie persönlich am besten, welche Art und wie viel Bewegung Ihnen in welcher Intensität guttut. Dabei spielt auch Ihr aktueller Fitnesszustand und Ihr bisheriger Behandlungsverlauf eine Rolle. Wenn Sie also mit einem neuen Trainingsprogramm beginnen, ist es wichtig, dass Sie auf Ihren Körper hören. Fangen Sie klein an und steigern Sie Ihre Aktivitäten Schritt für Schritt.

Die aktuellen Richtlinien für körperliche Aktivität für Menschen, die mit Krebs leben, empfehlen pro Woche 150 Minuten mässig intensive Bewegung (z. B. zügiges Gehen) oder 75 Minuten intensive Bewegung (z. B. Laufen). Dazu kommen 2 oder 3 Krafttrainingseinheiten.6 Allgemein gilt die Regel, dass mässig intensive Bewegung Ihre Herz- und Atemfrequenz erhöhen sollte. Dabei sollten Sie aber immer noch in der Lage sein, ein Gespräch zu führen. Bei einer intensiven Trainingseinheit ist Ihre Herz- und Atemfrequenz deutlich erhöht, so dass Sie sich möglicherweise nur noch in kurzen Zügen und mit wenigen Wörtern unterhalten können.

Welchen Sport sollte ich treiben?

Der Schlüssel zu aktiver Bewegung liegt darin, Aktivitäten zu finden, die Ihnen Spass machen und zu Ihrem Lebensstil passen. Wenn Sie etwas finden, das Ihnen Freude macht, ist es wahrscheinlicher, dass Sie motiviert bleiben und die Aktivität langfristig ausüben.

Forschungen haben ergeben, dass unabhängig von der Art der Übung ein angeleitetes Training effektiver ist als selbst durchgeführte Übungseinheiten.7,8 Einer der Vorteile eines angeleiteten Trainings ist die zusätzliche Motivation, die es bringen kann. Ein Trainer kann sicherstellen, dass Sie die Übungen richtig ausführen, und er kann Ihnen helfen, Ihr Trainingsprogramm auf Ihre speziellen Bedürfnisse und Ziele abzustimmen. Falls möglich, sollten Sie deshalb ein Trainingsprogramm mit Unterstützung eines Sportphysiologen, eines zertifizierten Sportlehrers oder eine angeleitete Gruppenlektion wählen. Denken Sie daran, dass Sie nicht bei jedem Training einen Profi an Ihrer Seite brauchen. Wenn Sie aber die Möglichkeit haben, besuchen Sie doch einmal pro Woche ein betreutes Training und trainieren Sie den Rest der Woche allein, zu zweit oder in der Gruppe.

Ein betreutes Trainingsprogramm mit einer Kombination aus Ausdauer- und Widerstandstraining ist zwar sehr empfehlenswert, aber jede Art von Aktivität ist ein Gewinn – auch wenn sie nicht als „Sport“ bezeichnet wird. Allein schon die Tatsache, dass Sie Ihr tägliches Aktivitätsniveau erhöhen, und die Zeit, die Sie im Sitzen verbringen, reduzieren, hat zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Die Unterbrechung der sitzenden Tätigkeit durch regelmässige Bewegung aktiviert den Stoffwechsel, sodass Sie mehr Energie verbrennen. Dadurch behalten Sie ein gesünderes Körpergewicht9, verringern das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und steigern Ihre Lebenserwartung10. Selbst für diejenigen, die die oben empfohlenen Bewegungsrichtlinien befolgen, ist es empfehlenswert, Phasen der Inaktivität zu unterbrechen, um die Gesundheitsrisiken eines vorwiegend sitzenden Lebensstils zu verringern.11

Wenn Sie befürchten, dass Sie nicht genügend Zeit haben, ein Trainingsprogramm in Ihre Woche einzubauen, gibt es viele zeitsparende Möglichkeiten, wie Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag integrieren können. Versuchen Sie doch einmal Folgendes:

  • Zu Fuss zum Einkaufen gehen
  • Zu Fuss oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren
  • Eine Haltestelle früher aus dem Bus steigen
  • Die Treppe statt den Aufzug zu nehmen
  • Sich bei der Hausarbeit bewegen, z. B. beim Verrichten von Gartenarbeit
  • In der Mittags- oder Kaffeepause einen 15-minütigen Spaziergang machen

Sollte ich Sport treiben, während ich mich einer Behandlung gegen Prostatakrebs unterziehe?

Wenn Sie sich einer chirurgischen Entfernung der Prostata unterziehen müssen, ist sanfte Bewegung eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Heilungsprozess zu unterstützen. Gehen Sie die Wochen nach der Operation ruhig an, um Ihrem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen. Sanfte Bewegungen, wie z. B. tägliche Spaziergänge, sind ideal, um wieder zu Kräften zu kommen. Gleichzeitig wirken Sie Komplikationen wie z. B. Blutgerinnsel entgegen, die durch Inaktivität entstehen können. Versuchen Sie zunächst, mehrere 5 bis 10-minütigen Spaziergänge über den Tag verteilt zu unternehmen. Steigern Sie danach Ihr tägliches Aktivitätsniveau allmählich. Am besten vermeiden Sie in den ersten 6 Wochen Sportarten mit hoher Gelenkbelastung, anstrengende Übungen und schweres Heben. Nach einer Prostatektomie kommt es aufgrund der Schädigung der Nerven und des Gewebes um die Prostata herum häufig zu Urinverlust (Inkontinenz). Männer, die vor und nach der Operation Übungen zur Stärkung ihres Beckenbodens durchführen, haben in der Regel weniger Probleme mit dem Wasserlassen und erlangen ihre Kontinenz schneller zurück als Männer, die diese Übungen nicht durchführen.12 Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem Arzt zu sprechen, um detaillierte und individuelle Empfehlungen für Ihre Genesung zu erhalten.

Wenn Sie sich wegen Ihres Prostatakrebses einer Androgendeprivationstherapie (Hormontherapie) unterziehen, kann Bewegung beitragen, behandlungsbedingte Nebenwirkungen besser zu bewältigen. Dazu gehören z. B. ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine verringerte Knochendichte oder eine verminderte Muskelmasse. Regelmässiger Sport gilt als gut verträglich, sicher und als geeignet, um die unerwünschten Wirkungen der Behandlung zu verringern.13 In Übereinstimmung mit den oben genannten Leitlinien wird ein überwachtes Übungsprogramm, das Kraft- und Ausdauertraining kombiniert, dringend empfohlen.7,8

Wenn Sie sich einer Strahlen- oder Chemotherapie unterziehen, kann körperliche Aktivität viele Vorteile haben. Dazu gehört insbesondere die Verringerung von Müdigkeit. Wenn Sie Ihren Körper häufig bewegen, können Sie dadurch Ihre Form und Ihre Fitness aufrechterhalten und gleichzeitig die Müdigkeit in Schach halten. Es wird dringend empfohlen, Phasen der Inaktivität mit regelmässiger Bewegung zu unterbrechen und sich intensiver zu bewegen, sobald Sie dazu in der Lage sind.11 Je nachdem, wie Sie sich fühlen, kann das bedeuten, dass Sie anfänglich nur aufstehen und um das Haus herumgehen. Sobald Sie sich besser fühlen, spricht nichts dagegen, ein intensiveres Aerobic- oder Widerstandstraining durchzuführen!

Wenn Sie Knochenmetastasen haben, ist es mitunter gar nicht so einfach, die Empfehlungen für sportliche Betätigung gegen das erhöhte Risiko von Knochenbrüchen abzuwägen. Dies sollte Sie jedoch nicht gänzlich von sportlichen Aktivitäten abhalten. Das Risiko von Komplikationen ist sehr individuell und hängt von den Merkmalen Ihrer Knochenmetastasen, dem Behandlungsverlauf und anderen persönlichen Faktoren ab. Für viele Menschen mit Knochenmetastasen kann eine leichte körperliche Betätigung trotz des erhöhten Frakturrisikos vorteilhaft sein. Dadurch lassen sich Nebenwirkungen der Behandlung verringern, die Fitness erhalten und die Lebensqualität verbessern.14 Wir empfehlen dringend, sich mit Ihrem Arzt und einem qualifizierten Fitnessexperten zu beraten, um Ihr Risiko für Skelettkomplikationen einzuschätzen und herauszufinden, welche Art von Bewegung für Sie sicher ist.

Unsere Tipps, um die Motivation zum Sport aufrechtzuerhalten:

Es kann eine Herausforderung sein, mit einem neuen Programm zu beginnen, die Motivation zu finden und regelmässig am Ball zu bleiben. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit Sport anzufangen, finden Sie hier einige Ideen, die Ihnen den Start erleichtern und Ihnen helfen, täglich dranzubleiben:

  • Bewegen Sie sich gemeinsam. Wenn Sie sich mit einem Freund oder in einer Gruppe zum Training verabreden, haben Sie jemanden, der Sie zur Einhaltung Ihrer Pläne anhält. Es ist auch eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich zu motivieren, sich mehr anzustrengen.
  • Planen Sie Ihre Aktivitäten. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die Erinnerungshilfen nutzen, um Gewohnheiten zu entwickeln, ihre Pläne eher einhalten.15 Stellen Sie sich einen Wecker oder tragen Sie die Aktivitäten in Ihren Kalender ein, um daran erinnert zu werden, aufzustehen und sich zu bewegen.
  • Die Mischung macht’s! Abwechslung ist die Würze des Lebens.Das gilt auch für Bewegung. Ein abwechslungsreicher Übungsablauf beugt nicht nur Langeweile vor, sondern trägt auch dazu bei, dass verschiedene Muskelgruppen angesprochen und unterschiedliche Fitnesselemente trainiert
  • Setzen Sie sich ein Ziel. Wer ein Ziel hat, auf das er oder sie hinarbeitet, ist motivierter, am Ball zu bleiben. Setzen Sie sich ein Ziel, das erreichbar ist, aber auch genügend anspruchsvoll, sodass Sie sich anstrengen müssen. Viel Erfolg!

Informationen, denen Sie vertrauen können

Wie soll man bei so vielen Meinungen wissen, wem man glauben soll? Bei Oncolifestyle setzen wir alles daran, Ihnen evidenzbasierte Informationen zu liefern, die mit Blick auf Ihre Gesundheit sorgfältig recherchiert wurden.

UNSERE QUELLEN

Woher stammen diese Informationen?

UNSERE QUELLEN

Woher stammen diese Informationen?

  1. Kang, D.-W. et al. Effects of Exercise on Cardiorespiratory Fitness and Biochemical Progression in Men With Localized Prostate Cancer Under Active Surveillance: The ERASE Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol. 7, 1487 (2021).
  2. Nystoriak, M. A. & Bhatnagar, A. Cardiovascular Effects and Benefits of Exercise. Front. Cardiovasc. Med. 5, 135 (2018).
  3. Baguley, B., Bolam, K., Wright, O. & Skinner, T. The Effect of Nutrition Therapy and Exercise on Cancer-Related Fatigue and Quality of Life in Men with Prostate Cancer: A Systematic Review. Nutrients 9, 1003 (2017).
  4. Omura, J. D. et al. Cross-sectional association between physical activity level and subjective cognitive decline among US adults aged ≥45 years, 2015. Prev. Med. 141, 106279 (2020).
  5. Schuch, F. B. & Vancampfort, D. Physical activity, exercise, and mental disorders: it is time to move on. Trends Psychiatry Psychother. 43, 177–184 (2021).
  6. Hart, N. H., Galvão, D. A. & Newton, R. U. Exercise medicine for advanced prostate cancer. Curr. Opin. Support. Palliat. Care 11, 247–257 (2017).
  7. Kokorovic, A. et al. UPDATE – Canadian Urological Association guideline on androgen deprivation therapy: Adverse events and management strategies (Full-text). Can. Urol. Assoc. J. 16, E416-31 (2022).
  8. Mottet, N. et al. EAU Guidelines on Prostate Cancer. (EAU Guidelines Office, 2023).
  9. Healy, G. N. et al. Breaks in sedentary time: beneficial associations with metabolic risk. Diabetes Care 31, 661–666 (2008).
  10. Länsitie, M. et al. Cardiovascular disease risk and all-cause mortality associated with accelerometer-measured physical activity and sedentary time ‒ a prospective population-based study in older adults. BMC Geriatr. 22, 729 (2022).
  11. Neuzillet, C. Nutrition et activité physique en cancérologie (recommandations Françaises). FMC-HGE https://www.fmcgastro.org/texte-postu/postu-2023/nutrition-et-activite-physique-en-cancerologie-recommandations-francaises/.
  12. Tienforti, D. et al. Efficacy of an assisted low-intensity programme of perioperative pelvic floor muscle training in improving the recovery of continence after radical prostatectomy: a randomized controlled trial. BJU Int. 110, 1004–1010 (2012).
  13. Cagliari, M. et al. Feasibility and Safety of Physical Exercise to Preserve Bone Health in Men With Prostate Cancer Receiving Androgen Deprivation Therapy: A Systematic Review. Phys. Ther. 102, pzab288 (2022).
  14. Campbell, K. L. et al. Exercise Recommendation for People With Bone Metastases: Expert Consensus for Health Care Providers and Exercise Professionals. JCO Oncol. Pract. 18, e697–e709 (2022).
  15. Gollwitzer, P. Implementation Intentions: Strong Effects of Simple Plans. Am. Psychol. 54, 493–503 (1999).